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Messie und Wohnungsverwahrlosung: Jubiläumsanlass von CONTACT Wohnen in Interlaken

CONTACT Wohnen, ein Angebot von CONTACT Stiftung für Suchthilfe, lud am 28. Februar 2019 ins Ristorante Isetta ein. Geboten wurde zum 10-jährigen Jubiläum eine Fachveranstaltung zum Thema Messie und Wohnungsverwahrlosung.

Die Referenten Jacqueline Büttner, Ivo Koch und Beat Siegfried am Jubiläumsanlass von CONTACT Wohnen in Interlaken.

Messie und Wohnungsverwahrlosung sind keine Synonyme

Viele verwenden die Begriffe Messie und Wohnungsverwahrlosung fälschlicherweise synonym. Dieses Missverständnis stand im Mittelpunkt der Fachveranstaltung, die CONTACT Wohnen in Interlaken am 28. Februar 2019 zum eigenen 10-jährigen Jubiläum (2008 bis 2018) organisiert hat. Die zahlreichen Teilnehmenden erfreuten sich im Ristorante Isetta an diversen Gast-Beiträgen, einem filmischen Input und einer offene Diskussionsrunde.

Den ersten Input lieferte Ivo Koch vom Ambulanten Psychiatrischen Dienst des Spitals Interlaken (ADI). Koch stellte klar: „Pathologisches Horten ist eine psychische Störung. Ein Messie leidet also an einer psychischen Erkrankung.“ In der Folge veranschaulichte der Psychologe die Erkrankung am konkreten Beispiel seiner Patientin „Frau N.“. Sie ist eine pflichtbewusste Ehefrau und Mutter und bei der Arbeit stets gut organisiert. Frau N. hat aber ein Problem. Sie ist ein klassischer Messie und kann sich kaum von Gegenständen trennen.

Obwohl sie nicht taucht, besitzt Frau N. eine komplette Tauchausrüstung. Die Wohnung, in der es für Ehemann und Kinder aufgrund der vielen Gegenstände langsam eng wird, ist mit Möbeln und Kleidern ihrer Eltern und Grosseltern zugestellt. „Das ist typisch“, erklärte Koch während seinem Referat und fügte hinzu: „Ein Messie sammelt zwanghaft Sachen, mit der Überzeugung, diese zu einem späteren Zeitpunkt noch gebrauchen zu können. Frau N. hat zudem Angst, ihre Eltern und Grosseltern nochmals zu verlieren, wenn sie deren Besitztümer weggibt.“

„Ein Messie sieht sich immer als Opfer“

Das zweite Referat hielt Jacqueline Büttner, Präsidentin Abteilung Oberland Ost der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde KESB. Die Sozialarbeiterin und Juristin ist eine Expertin, wenn es um Wohnungsverwahrlosung geht. „Menschen, die ihre Wohnung „zumüllen“, tun dies aus verschiedenen Gründen. Dieser Unordnung liegt auch nicht unbedingt eine psychische Störung zugrunde“, erläuterte Büttner den Unterschied zwischen Messie und Wohnungsverwahrlosung. Aber ab welchem Zeitpunkt darf die KESB bei einer Wohnungsverwahrlosung eingreifen? Büttner wusste natürlich auch dazu eine Antwort: „In der Schweiz hat jeder Mensch das Recht auf Selbstbestimmung. Wenn jedoch andere Menschen oder die betroffene Person selber unter der Situation leiden und unwürdig leben, müssen wir Massnahmen ergreifen.“

Beat Siegfried – Leiter Sozialdienst der Region Jungfrau (SDRJ) – schilderte im letzten Gast-Beitrag seine eigenen Erfahrungen mit Messies. „Ein Messie sieht sich immer als Opfer. Nur er sieht den wahren Wert der Gegenstände, während alle anderen Menschen keine Ahnung haben“, erklärte Siegfried das Wesen des Messie. Eine Person vom Sozialdienst, die zu einer betroffenen Person geschickt oder gerufen wird, habe es nicht einfach. Denn ein Messie habe die Angewohnheit, alle Menschen sofort in Freund oder Feind einzuteilen. Was muss also im Umgang mit einem Messie beachtet werden? „Wichtig ist, dass man jeder betroffenen Person auf Augenhöhe und mit Respekt begegnet. Die Person muss in kleinen Schritten gecoacht werden und soll selber Gegenstände aussortieren, um kleine Ziele zu erreichen. Das kann ein freies Bett oder der Zugang zu einer Toilette sein“, erläuterte Siegfried. Ein filmischer Input und eine offene Diskussionsrunde rundeten die Fachveranstaltung in der Folge noch ab.

 

Mehr Informationen zum Angebot CONTACT Wohnen finden Sie hier

Medienbericht zur Fachveranstaltung: 27.02.2019, Radio BEO: Interlaken – Messies als Thema für 10-Jahre-Jubiläum

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