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Walk and Talk: Peerarbeit von CONTACT Mobil, die Menschen erreicht

Bei Walk and Talk sind Menschen mit eigener Suchterfahrung als Peers im öffentlichen Raum unterwegs. Sie sprechen Menschen an, geben Wissen zu Safer Use und Safer Sex weiter und vermitteln bei Bedarf an professionelle Angebote. Was vor über 15 Jahren als Projekt begann, ist heute ein fester Bestandteil von CONTACT Mobil – die aufsuchende Sozialarbeit von CONTACT Stiftung für Suchthilfe.

Die Peers von Walk and Talk sind in drei Berner Gemeinden unterwegs (Foto von Duy Tong: https://finestmove.ch/).

Information, Aufklärung und Vernetzung im Mittelpunkt

Nicht alle Menschen, die Unterstützung benötigen, suchen von sich aus eine Beratungs- oder Anlaufstelle auf. Menschen, die ihren Lebensmittelpunkt im öffentlichen Raum haben, können durch bestehende Angebote der Suchthilfe schwieriger erreicht werden.

Hier setzt Walk and Talk an: Die Peers kennen die Lebensrealitäten, Herausforderungen und Fragen der Menschen, mit denen sie ins Gespräch kommen, aus eigener Erfahrung. Dadurch entsteht ein anderer Zugang als in der aufsuchenden Arbeit von Sozialarbeitenden.

Die Peers informieren unter anderem über HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen sowie über Safer Use und Safer Sex. Sie geben steriles Konsummaterial, Kondome und Informationsmaterial ab und vermitteln Menschen bei psychosozialen und Sucht-Problemen bei Bedarf an passende Fachstellen oder andere schadensmindernde Betriebe von CONTACT Stiftung für Suchthilfe.

Wissen weitergeben, Vertrauen schaffen

Walk and Talk funktioniert nach dem Peer-to-Peer-Prinzip: Wissen wird innerhalb einer Gruppe weitergegeben. Wer ähnliche Erfahrungen gemacht hat, kann bestimmte Themen anders ansprechen und wird von anderen Peers eher akzeptiert.

Dabei geht es nicht nur um Informationen. Peers hören zu, nehmen Anliegen auf und sprechen über Themen, die Menschen beschäftigen – von Konsum und Entzug über Infektionskrankheiten bis hin zu Beziehungen und Arbeit. So entsteht eine Brücke zwischen Menschen, die Unterstützung benötigen, und den professionellen Angeboten der Suchthilfe.

Flexibel bleiben, wo sich die Lebensrealitäten verändern

Ein Vorteil der Peerarbeit ist ihre Nähe zur Lebenswelt der Zielgruppe. Die Peers bekommen Veränderungen bei Konsumformen, Substanzen, Aufenthaltsorten und Bedürfnissen oft früh mit. Nach jedem Einsatz tauschen sie sich mit den koordinierenden Fachpersonen von CONTACT Mobil aus und geben ihre Beobachtungen und Erfahrungen weiter. Bei Bedarf werden gemeinsam weitere Schritte und die Vernetzung mit anderen Fachstellen geplant. So können Entwicklungen frühzeitig erkannt und Angebote gezielt an veränderte Bedürfnisse angepasst werden.

Auch Walk and Talk hat sich über die Jahre weiterentwickelt. So entstand beispielsweise aufgrund eines wachsenden Bedarfs ein weibliches Peerteam, damit sich Frauen mit ihren Fragen und Anliegen gezielt an weibliche Peers wenden können.

Von der Projektidee zum festen Angebot

Die Idee zu Walk and Talk entstand 2010 aus einer Zusammenarbeit der Aids Hilfe Bern, der Kirchlichen Gassenarbeit Bern und CONTACT. Ausgangspunkt waren Wissenslücken rund um Safer Use und Safer Sex sowie die Erkenntnis, dass klassische Angebote nicht alle Menschen erreichen.

Lange war Walk and Talk projektfinanziert und die Finanzierung jeweils nur für ein bis zwei Jahre gesichert. Seit Anfang 2025 ist das Angebot als fester Bestandteil von CONTACT Stiftung für Suchthilfe durch den Kanton Bern finanziert. Damit ist aus einer langjährigen Projektidee ein etabliertes Angebot der Schadensminderung geworden.

Peerarbeit wirkt in mehrere Richtungen

Walk and Talk unterstützt nicht nur die Menschen, die durch ihre aufsuchende Arbeit erreicht werden. Auch die Peers selbst profitieren von ihrer Tätigkeit: Sie erhalten Weiterbildungen, erweitern ihr Wissen und können ihre eigenen Erfahrungen reflektiert einsetzen. Gleichzeitig gewinnen die beteiligten Fachorganisationen wertvolle Einblicke in die Lebensrealitäten und aktuellen Bedürfnisse der Zielgruppe. Die Arbeit von Walk and Talk wird von CONTACT Mobil organisiert und koordiniert.

Und auch im öffentlichen Raum kann Peerarbeit Wirkung entfalten. Aufklärung, die Förderung eines sichereren Konsums und die Vermittlung in passende Angebote können dazu beitragen, den öffentlichen Raum zu entlasten.

Peerarbeit wirkt auch über die direkten Begegnungen hinaus. Durch ihre Arbeitskleidung, Namensschilder und die Aufklärungsarbeit im öffentlichen Raum werden die Peers immer wieder von Passant*innen und der Polizei angesprochen. Dabei entstehen Begegnungen, die sonst vielleicht nicht stattgefunden hätten. Einige Passant*innen berichten, dass sie durch Walk and Talk zum ersten Mal mit einer Person mit Suchterfahrung ins Gespräch gekommen sind. Solche Begegnungen ermöglichen Einblicke in unterschiedliche Lebensrealitäten und können dazu beitragen, Vorurteile und Stigmatisierung abzubauen.

Die Peers von Walk and Talk waren im Jahr 2025 in Bern, Biel und Thun insgesamt 846 Stunden im Einsatz. Sie sind dort unterwegs, wo Menschen leben und sich aufhalten – und schaffen mit ihrer Erfahrung Zugänge, die anderswo oft nicht entstehen.

 

Sie möchten mehr über die Arbeit von Walk and Talk erfahren? Hier geht es zum Fachartikel von Julia Nievergelt – Leiterin von CONTACT Mobil – im SuchtMagazin.

Hier geht es zur Website der Fachzeitschrift SuchtMagazin.

Hier erfahren Sie mehr über die schadensmindernde Arbeit von CONTACT Mobil.

Eine Übersicht über alle schadensmindernden Angebote von CONTACT Stiftung für Suchthilfe finden Sie hier.

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