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CONTACT ist das Kompetenzzentrum für Schadensminderung – was heisst das eigentlich?

Als Kompetenzzentrum für Schadensminderung im Kanton Bern entwickelt und betreibt CONTACT Stiftung für Suchthilfe seit über 50 Jahren Angebote, die Risiken des Konsums reduzieren und Menschen wirksam unterstützen. Was Schadensminderung bedeutet und warum sie zentral für die Schweizer Drogenpolitik ist, zeigt ein Blick auf ihre Entwicklung.

Wie betreibt CONTACT Schadensminderung?

CONTACT Stiftung für Suchthilfe bietet ambulante und niederschwellige Angebote mit dem Ziel, die Risiken und Folgeschäden des Suchtmittelkonsums zu mindern. Die Angebote fördern die Gesundheit, stärken persönliche Kompetenzen und unterstützen die soziale Integration von Menschen mit einer schweren Drogenabhängigkeit.

Auch Konsumierende von Freizeitdrogen werden dabei unterstützt, einen verantwortungsvollen Umgang mit psychoaktiven Substanzen zu entwickeln. Gleichzeitig trägt CONTACT mit seinen Angeboten und Betrieben zur Entlastung des öffentlichen Raums bei.

 

Die Geburtsstunde der Schadensminderung – CONTACT als Pionierin

Die Wurzeln der Schadensminderung im Kanton Bern reichen bis in die 1970er-Jahre zurück. Bereits 1973 eröffnet die Vorgängerin-Organisation von CONTACT Stiftung für Suchthilfe in Bern eine erste Drogenberatungsstelle. Damals wird die Konsumproblematik vor allem als Jugendthema verstanden – doch schnell zeigt sich, dass die bestehenden Angebote nicht ausreichen.

In den folgenden Jahren baut CONTACT seine Tätigkeiten kontinuierlich aus: Mit Arbeitsangeboten wie dem «Wärchlädeli», betreuten Übergangslösungen für Jugendliche sowie der aufsuchenden Sozialarbeit (Streetwork) sucht CONTACT gezielt den Kontakt zu Menschen auf der Strasse. Der Fokus verschiebt sich zunehmend weg von der reinen Beratung hin zu konkreter Unterstützung im Alltag.

Parallel dazu entstehen im Kanton Bern weitere wichtige Bausteine der Schadensminderung – etwa die ersten Methadonabgabestellen oder unabhängige Beratungsangebote wie das Drop-In in Biel, das später Teil von CONTACT wird.

 

Der Wendepunkt: Überlebenshilfe wird zur Schadensminderung

Ein entscheidender Entwicklungsschritt erfolgt Mitte der 1980er-Jahre. Die offene Drogenszene, steigende HIV-Infektionen und die zunehmende Verelendung vieler Betroffener machen deutlich, dass neue Ansätze notwendig sind. 1986 eröffnet CONTACT Stiftung für Suchthilfe in Bern den weltweit ersten Drogenkonsumraum – ein Meilenstein der sogenannten Überlebenshilfe. Kurz darauf folgen weitere zentrale Angebote wie der Spritzenumtausch, der ab 1990 im Kanton Bern eingeführt wird und bis heute besteht. Diese Massnahmen tragen wesentlich dazu bei, Infektionskrankheiten zu reduzieren und gesundheitliche Schäden zu minimieren.

Zunächst bewegt sich dieser Ansatz in einer rechtlichen Grauzone. Für Klarheit sorgt 1989 ein vom Bundesamt für Gesundheit publiziertes Rechtsgutachten von Hans Schultz, Professor für Strafrecht an der Universität Bern. Es bestätigt auf Anfrage der eidgenössischen Betäubungsmittelkommission die rechtliche Zulässigkeit von Drogenkonsumräumen und hält fest, dass neben dem Verbot des Konsums auch eine staatliche Fürsorgepflicht gegenüber Konsumierenden besteht. Damit erhält die Überlebenshilfe erstmals eine solide rechtliche Grundlage.

Parallel dazu setzt auch auf politischer Ebene ein Umdenken ein: 1991 reagiert der Bund mit einem neuen drogenpolitischen Ansatz auf die Krise und entwickelt die Vier-Säulen-Politik aus Prävention, Therapie, Repression und Schadensminderung. Damit wird der in Städten wie Bern entwickelte pragmatische Ansatz im Jahr 1994 definitiv national verankert und weitergeführt.

Mit der Revision des Betäubungsmittelgesetzes im Jahr 2008 wird die Schadensminderung schliesslich auch gesetzlich als eigenständige Säule bestätigt. Aus einer praxisnahen Überlebenshilfe wird damit ein zentraler Bestandteil der Schweizer Suchtpolitik.

 

Vielfältige Angebote  – ein gemeinsames Ziel

Heute umfasst die Schadensminderung bei CONTACT ein breites Spektrum an Angeboten im ganzen Kanton Bern. Dazu gehören unter anderem Anlaufstellen mit und ohne Konsumräumen in Bern, Biel, Thun und dem Berner Jura (Betriebe von CONTACT Anlaufstelle), Spritzenumtausch, aufsuchende Sozialarbeit sowie Angebote in den Bereichen Suchtbehandlung (CONTACT Suchtbehandlung bietet u. a. Opioide-Agonisten-Therapien), CONTACT Arbeit (niederschwellige Taglohn-Arbeitsplätze mit Tagesstruktur und Mittagstisch) und CONTACT Wohnen (begleitet und teilbetreut). Auch spezialisierte Angebote wie stationäres und mobiles Drug Checking (CONTACT Nightlife) oder mobile Unterstützung für besonders vulnerable Gruppen (CONTACT Mobil) sind Teil davon.

So unterschiedlich diese Angebote sind – sie verfolgen alle dasselbe Ziel: Menschen zu stabilisieren, ihre Gesundheit zu schützen und ihnen Perspektiven zu eröffnen.

 

Schadensminderung – ein Ansatz mit nachweisbarer Wirkung

Schadensminderung wirkt – für die Betroffenen ebenso wie für die Gesellschaft. Sie trägt dazu bei, Infektionskrankheiten zu reduzieren, Drogentodesfälle zu senken und die Lebensqualität der Konsumierenden zu verbessern. Gleichzeitig werden öffentliche Räume entlastet und Kosten im Gesundheits- und Sozialsystem reduziert.

Was einst als pragmatische Antwort auf eine akute Krise in Bern entstand, ist heute ein zentraler Bestandteil der Schweizer Drogenpolitik – und international ein anerkanntes Modell. Dass dieser Ansatz heute so breit abgestützt ist, ist auch der frühen Pionierarbeit von CONTACT zu verdanken: dem Mut, neue Wege zu gehen, als es noch keine Vorbilder gab.

 

Hier gibt es eine Übersicht über alle schadensmindernden Angebote von CONTACT Stiftung für Suchthilfe.

Interessiert an der Geschichte, wie CONTACT den allerersten legalen Drogenkonsumraum weltweit eröffnete? Dann lesen Sie hier weiter.

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